"I turn away from what you are, denying all that you have given. I fade a place thats safe and far. In time all will be forgiven..."
- The Birthday Massacre
Manchmal frage ich mich "Wozu?". 'Wozu' das alles hier? Ich frage mich weshalb ich mich anstrenge und weshalb ich immer das andauernde Beduerfnis habe, von Nutzen zu sein oder andere in irgendeinster voellig absurden Art andere zum Lachen zu bringen. Aber dann fallen mir die Leute um mich herum wieder ein. Die, die mir wichtig sind und so. Ich denke ja bis heute, dass ich den Leuten nur zur Last falle oder sie nerve, aber selbst wenn mir versichert wird, dass dem nicht so ist, gibt es Momente in denen ich daran zweifel. Manchmal stell ich mir vor wie es wohl waere, einfach mal im Erdboden zu versinken. Alles hinter sich zu lassen und irgendwo komplett neu anzufangen. Oder wie es waere, wenn man durch die Zeit zurueck reisen koennte um manche Dinge, die man bereut anders zu machen. Wuerde ich etwas anders machen? Ja, definitiv. Vielleicht kommt das dumm rueber, aber ich denke einfach, dass viele das tun wuerden. Selbst wenn es nur eine Kleinigkeit ist. Etwas ganz skurriles. oder vielleicht etwas, das sich erst im Nachinein als bedeutungsschwer herraustellte. Und dann stell ich mir noch vor, wie es wohl jetzt waere, wenn ich es in der Vergangenheit anders gemacht haette. Es gibt einfach die Momente. Momente, die man morgen schon vergisst. Momente, die einem garnicht viel bedeuten.
Gerade gestern war wieder einer dieser Momente, in denen ich mich wunderte was ich hier eigentlich mache. Es ist so viel passiert und wenn ich in den Spiegel sehe, dann sehe ich mich wie ich anders geworden bin. Anders ist ein seltsames Wort, aber es passt. Jeder veraendert sich mit der Zeit, oder aber es liegt nur an diesem Alter. Keine Ahnung.
Ich war gestern Vormittag ein letztes Mal in der Schule, um noch nach etwas Papierkram zu fragen, und mich von manchen Lehrern zu verabschieden. Ich fand es auch total interessant, wie mich meine Lehrerin fuer English III sogar umarmte. Es hat mich tierisch gefreut, weil sie einen furchtbaren Ruf in der Schule hat, ich sie aber super leiden kann. Vielleicht liegt's an ihrem Humor oder der Tatsache, dass sie eine der wenigen Lehrer mit Durchsetzungsvermoegen ist, aber darauf will ich garnicht hinaus. Mir ist einfach nur bewusst geworden, dass meine Schulzeit hier einfach vorbei ist. So ganz einfach vorbei. Ich erinner mich noch genau an den 9. Juli 2009. Das war der Tag an dem wir geflogen sind. Vielleicht war das auch mein letzter Schultag. Egal, jedenfalls erinner ich mich daran, wie ich Angst vor der Schule hatte. Angst den ganzen Tag eine andere Sprache zu sprechen. Amerikaner um mich rum. Ich hatte keine wirklichen Bedenken um Rassismus, aber ich hatte halt dieses Bild vor Augen, in dem man ein Klischee nach dem anderen sieht. Cheerleaders, Football players, Nerds und selbst ernannte Goths. Klar gab es das alles, aber nicht in dem Ausmasse wie erwartet. Ich hatte ja von vornerein gesagt, dass das nicht lange dauert, bis mich irgendwelche Sportskanonen verpruegeln und kopfueber an irgend'nen Mast binden. Aber das Gegenteil ist passiert. Alle Leute hier sind absolut fasziniert von dem Akzent, den Haaren, den Augen, dem Humor, oder was-auch-immer. Immer wird etwas an einem gefunden, dass einen zu etwas besserem macht. Es stimmt, dass das nur oberflaechlich ist, aber ist das etwas Schlechtes? Ich mein; was ist falsch daran zu sagen, dass einem das Shirt vom Gegenueber gefaellt, man es sich selbst aber nie kaufen wuerde? Es ist banal, ich weiss, aber ist das nicht etwas, was man vielleicht oefter machen sollte? Anstatts nur zu kritisieren, das Positive sehen. Die Leute hier sind unglaublich tolerant. An welcher deutschen Schule findest du ausserdem schon koerperlich und geistig behinderte Menschen, die wirklich absolut normal behandelt werden auf einer Schule, auf der auch andere, gesunde Menschen sind? Klar ist eine eigene Schule mit speziell ausgelegtem und angepasstem Lehrplan vielleicht bildungstechnisch besser. Aber menschlich? Keine Ahnung. Ich hab jedenfalls die Szene vor Augen, die sich eines Tages in meiner Mittagspause abspielte. Einer der beliebtesten Sportler der Schule, dem die ganzen Maedels hinterhersabbern, unterhaelt sich voellig normal und ausgelassen mit einem Schueler, der im Rollstuhl sitzt und auf Grund seiner Behinderung kaum sprechen kann. Das fand ich absolut toll diese Toleranz zu sehen. Und auf einer deutschen Schule gibt's dann die Leute, die sich 'nen verdammten Spass draus machen, den "Spasti" mit Eiern zu bewerfen oder wie? Ist das nicht ein wenig paradox?
Ich weiss noch wie ich damals, noch in ZW, abends im Bett lag und ich angerufen wurde und mir mitgeteilt wurde, dass es nach Amerika geht. Ich fand's einfach scheisse. Aber das stand ja schon da oben weshalb. Was mich noch mehr stoerte, war das,was es unabhaengig vom Ort, mit sich brachte. Ein mehr oder weniger entferntes Familienmitglied starb, am Tag darauf eine Bekannte und an dem Tag, der danach kam, passierte das an das ich heute noch taeglich denke. Man hatte mich angelogen. Eine fuer mich besondere Freundschaft zerbrach daran und ich kam mir durch die Kombination mit den anderen Dingen, dem Umzug, die beiden Tode, die Sprache, das neue Umfeld, einfach ganzkoerper taub vor. Wie in Watte gepackt fuehlte ich mich. Wobei das auch nicht ganz stimmt, weil ich nicht mal mehr weiss was ich damals fuehlte, bzw. ob ich ueberhaupt noch etwas fuehlte. Es war zu viel auf einmal fuer mich und ich hab auch etwas Zeit gebraucht wieder auf die Beine zu kommen. Dennoch vergeht kein Tag ohne dass ich nicht an all das denke. Ich weiss noch, dass wenn man mich einige Monate vor dem Umzug fragte wie es mir ginge, ich stets mit Worten wie "fantastisch", "wunderbar", oder "grossartig" antwortete. Nach dem ganzen Mist kam dann nurnoch ein andauerndes "okay soweit", oder "geht wohl". Ich weiss, dass ich genug Gedanken verschwendet habe und mir oft genug den Kopf ueber die ganze Sache zerbrach, aber ich weiss einfach nicht wieso mich das noch beschaeftigt. Schliesslich ist das bereits anderthalb Jahre her und ich geb's ja zu, mir geht's gut, man faengt sich, klar, aber nun stehe ich wieder vor einem Umzug und hatte gestern wieder eine Art Rueckfall. Ich verlier mich in den eigenen Gedanken und komme zu keinem Ergebnis. Ich erwarte nichtmal, auf alles eine Antwort zu finden, aber wieso beschaeftigt es mich immernoch? Oder immer und immer wieder? Und dann frage ich mich, wie lange das noch so weiter geht, oder ob es heute anders waere, wenn ich damals anders gehandelt haette. Ich weiss nichtmal wieso ich gerade jetzt, nach so langer Zeit mitten in der Nacht diese Dinge schreibe oder wieder hochwuehle, aber es ueberfordert mich. Mir geht's nicht ums "Drueber Reden" oder so. Ich hab mich genuegend Leuten geoeffnet und viele wissen auch Bescheid, aber es ist so schwierig fuer mich. Auch wenn man immer sagt, dass die Zeit alle Wunden heilt, war ich zwischenzeitlich sogar der Meinung, dass sie es nur schlimmer macht. Ungewissheit, Gewohnheit, andauerndes Unwohlbefinden und so weiter. Und zu was fuehrt das? Ich schreibe belangloses Zeug in das Internet. Vielleicht loesche ich irgendwann diesen Eintrag, vielleicht lasse ich es auch um es irgendwann nochmal zu lesen. Aber Tatsache ist ja, dass ich die Ereignisse nicht verarbeiten... will? Eigentlich hab ich's ja schon laengst getan, aber was regt mich dazu an, es immer wieder hochzuholen? Ein Freund sagte mal "Wozu Salz in die Wunde streuen, wenn Alkohol so viel effektiver ist?", und er hatte recht. Schliesslich glaube ich auch, dass mich nichts so sehr gepraegt hat wie die Zeit hier. Aber was kann ich schon sagen mit meinen fast 18 Jahren? Immerhin mag ich mein Leben. Es macht Spass mit anderen ueber die einfachsten Dinge zu lachen oder sich ueber voellig banale Dinge zu freuen. Nur kommt in Momenten wie diesen immer wieder so eine Art Schweinehund hoch, die einem alles versauen will und dich auslacht. Und irgendwas findet er immer. Immer...
So viel Text fuer so viel gedanklichen Abfall, der sich in meiner freien Zeit anstaut. Vielleicht muss das einfach mal sein. Oder es liegt an den anderthalb Litern weissen Tee, den ich heute Abend in mich geschuettet habe.
Jedenfalls hab ich beschlossen morgen eine Art Filmkritik/-bewertung/Review zu schreiben. Vielleicht klappt das ja besser als mein geplantes Zeichentutorial. Immerhin wird mein Blog von jemandem gelesen, der sowas von besser Zeichnen, Malen und Kuenstlern kann als ich, sodass ich mich nur blamieren wuerde. Und da waere mir 'ne subjektive Filmkritik lieber. Immerhin tu ich doch momentan eh nichts anderes als Filme gucken.
Immerhin ist das Leben schoen. Das weisst du auch.
Geniess es. :)

30. Januar 2011 um 05:51
Von wegen. @zeichnen
XP~ *zunge raus streck*
Und überhaupt: Ich hab dich lieb! Auch wenn wir selten wenig schreiben und auch wenn wir uns noch nicht persönlich getroffen haben.
Und glaub' mir: fast jeder Mensch macht sich solch' "belanglose" und "vergangende" Dinge Gedanken, die gar nicht so dumm und sinnlos sind, wie sie einem vorkommen. Sie prägen einen, ohne, dass man das merkt. Und wie man mit ihnen umgeht und wie sie einen prägen, entscheidet man im Endeffekt immer noch selbst.
Und da du ja anscheinend auch gut bei anderen Menschen ankommst, scheinst du dich ja richtig entschieden zu haben. ;3
Du Schnuffel du. *knuddelz*